Das Mekka des kurzen Films ist mit der Auszeichnung des Filmes DACHBODENSTIMMEN zu Ende gegangen. Der FFF-Förderpreis 2012 geht an zwei Studentinnen der HFF München, Anna Brass und Magdalena Hutter. In ihrem bewegenden Dokumentarfilm DACHBODENSTIMMUNG erzählt eine 83-jährige Künstlerin von ihrer Schwester, die im KZ Theresienstadt mit anderen Kindern heimlich eine Zeitung schrieb. Die Jury hat den mit 1.500 Euro dotierten Preis vorgestern zum Abschluss der Regensburger Kurzfilmwoche verliehen.
Der Festivaltrailer:
Der Gewinnerfilm portraitiert die kanadische Künstlerin Vera Bondy, die 1953 nach Montreal emigrierte und das schreckliche Schicksal ihrer Familie während des Dritten Reichs hinter sich lassen wollte. Durch einen Zufall gelangte sie Jahrzehnte später an die Kinderzeitung "Dachbodenstimmen". Ihre 14-jährige Schwester hatte sie gemeinsam mit anderen Kindern geschrieben, die im KZ Theresienstadt gefangen waren. Vera Bondy schildert, wie das Schicksal ihrer ermordeten Schwester sie im Laufe der Jahre immer stärker belastete. Das Entdecken der erschütternden Kinderzeitung habe ihre Qualen noch verstärkt.
Die Studentinnen Anna Brass und Magdalena Hutter produzierten den 18-minütigen Film während eines Austausch-Projekts der HFF München mit der Montrealer Hochschule L´inis, das die Bayerische Staatsregierung mitfinanziert. Die Jury zeichnete das "einfühlsame, fragmentarische Portrait" als besten der 31 bayerischen Filme aus, die bei der Regensburger Kurzfilmwoche gezeigt wurden. In der Begründung schrieb die Jury: "In den Interviews lassen uns die Regisseurinnen nahe an ihre Protagonistin ran. In fast poetischen Montagesequenzen verschaffen sie Bondys Erzählungen Raum. Der Film beeindruckt uns durch sein Gespür für die Protagonistin, den formalen Ansatz und seine nachhaltige Wirkung."
Eine lobende Erwähnung sprach die Jury des FilmFernsehFonds außerdem Uwe Greiners Film Beinahe aus. Er erzählt von den täglichen U-Bahn-Begegnungen eines schüchternen Mannes und einer hübschen Frau. Die Jury schrieb: "Uwe Greiner überzeugt durch die exakte Inszenierung seines hervorragenden Schauspielerensembles. Ohne Worte schafft er es, auf hohem Niveau zu erzählen, so dass ein stimmiges Gesamtwerk entsteht. Ihm gelingt ein wunderbarer Film über das Beinahe-Scheitern einer vielversprechenden Begegnung."
Der mit 1.500 Euro dotierte FFF-Förderpreis wird jährlich an einen in Bayern produzierten Film vergeben. Die Jury bildeten dieses Jahr Produzent Tobias Walker, Schauspielerin Lena Dörrie und der Kameramann und Dozent Prof. Michael Leuthner (MHMK München).